Das Gewandt*Journal - 001

In die Zeit geschrieben                                                                am 18. März 2020

 

Frühjahrsgarderobe

 

Gerade noch war Jahresanfang. Mit freudigen Erwartungen und Hoffnungen, mit Plänen und Vorsätzen. Und von meiner Seite auch mit der tiefen Bewusstheit: „In diesem Jahr wird es sich wenden!“ In diesem Jahr werde ich – endlich – das, was ich für mich entdeckt und freigelegt habe, richtig leben, zeigen und sichtbar machen. Alle Zeichen standen auf „GO“.

 

Jetzt ist Frühlingsanfang. Und es ist alles anders. Aufträge werden reduziert, Buchungen verschoben, weil Begegnungen gefährlich sein können. Wieder bin ich an einem Punkt, den ich sehr gut kenne: Wie geht es in meinem Leben weiter? Stopp! Wie es in meinem Leben weitergehen kann, das weiß ich. Doch alles, was für eine freudvolle und zukunftsführende Perspektive für die kommenden Wochen gesorgt hat, ist verschoben.

 

Und in mir erheben sich wieder einmal die Gedanken, die mich schwer machen, meine freudigen Gefühle lähmen, und auf meinen Schultern lasten wie Blei. In dieser Stimmung stelle ich einfach alles in Frage. Alles, was da ist und alles, was ich über die letzten Jahre für mich und mein Leben erkannt und entwickelt habe.

 

So viele Jahre war ich auf dem Weg zu mir selbst, habe übernommene und ausgediente Lebenskleider erkannt und abgelegt, habe ich mich nackt und ehrlich gemacht. Denn eines habe ich auf meinem Lebensweg erkennen und lernen dürfen: Veränderung gelingt nur mit Ehrlichkeit. Und jetzt, wo ich meine Potentiale und meine Aufgabe, wo ich den Sinn in meinem Lebensweg erkenne und wo ich begonnen habe, mich immer mutiger damit zu zeigen, ist alles anders. Anders als gewünscht, erhofft und erwartet. Wer bitte braucht jetzt und zukünftig das, was ich zu geben, was ich anzubieten habe? Wen bitte interessiert das? Die Welt und die Menschen brauchen etwas zu essen, fundierte Experten und – Clopapier.

 

Ich biete die magische Verbindung zwischen der Welt der Mode und der textilen Stoffe und unseren Lebensstoffen. Ich biete einen Raum für Verwandlung. Wer bitte braucht das? Ich begleite Menschen in Veränderungsprozessen. Ja, wir sprechen heute viel und fast ständig über die Transformation, die Verwandlung von unseren Lebens- und Unternehmenswelten. Doch wer bitte braucht dafür mich?

 

Auf meinem Weg heute Morgen bin ich an „meiner“ Magnolie vorbeigekommen. Prächtig erblüht stand sie da. Weiße bis zartrosa Blütenkelche, kleine und größere, präsentierten sich stolz in der Sonne und vor strahlendblauem Himmel. Mutig stand sie da nach einer empfindlich kalten Nacht. Denn Magnolien vertragen keinen Frost. Doch „meine“ Magnolie – und die vielen anderen natürlich auch – scheint das nicht zu wissen. Oder vielleicht ignoriert sie es einfach. Magnolien leben und feiern den Tag, die Sonne und den strahlendblauen Himmel in all ihrer Pracht. Sie erblühen im Hier und Jetzt und tragen dabei ihr schönstes Kleid. Ihre Frühjahrsgarderobe. Egal, was die kommende Nacht bringen wird. Sie leben ihr volles Potential. Egal, was Nacht bringen wird. Sie zeigen sich von ihrer lebendigsten und schönsten Seite.

 

Vielleicht habe auch ich mich zu zeigen, mit all dem, was mein Lebensweg zum Vorschein gebracht hat. Egal, was diese herausfordernde Zeit noch bringen wird. Vielleicht habe ich genau jetzt mein schönstes Lebenskleid, meine Frühjahrsgarderobe, zu tragen und zu zeigen. Egal, ob es in diese herausfordernde Zeit passt. Vielleicht habe ich das, was sich noch vor ein paar Tagen so zeitgemäß angefühlt hat, wirklich zu präsentieren. Prall, bunt, prächtig, lebendig und mit Selbstverständlichkeit. Vielleicht braucht es wirklich niemand. Doch mich bringt es zum Erblühen, zum Strahlen. Mich bringt es in den Sinn meines Lebens und in meine Lebenskraft. Mich macht es lebendig. Egal, was die kommende Nacht bringt.

 

Wie ist mein Erblühen jetzt möglich? Auf die einfachste Art und Weise? Indem ich einfach das tue, was ich von Herzen gerne mache: Schreiben! Eintauchen in die Welten, die mich bewegen. In die Welten, die durch mich entdeckt, eröffnet und verbunden werden wollen. Dabei Bilder mit Worten malen und mein Herz und mein Leben mit Freude und Glück erfüllen. Egal, was die Nacht bringt.

 

Was habe ich zu verlieren? Was riskiere ich? Ja, es kann passieren, dass mich die frostige Nacht erwischt, die kalte Seite dieser herausfordernden Zeit. Doch dann habe ich mich auf jeden Fall vorher gezeigt und das, was ich in mir trage und was durch mich ausgedrückt werden will, zum Erblühen gebracht. Ich habe es sichtbar gemacht und habe Freude und Glück erlebt. Ich brauche nicht zu sagen: Ich habe es nicht einmal probiert. Ich kann sagen: Ich habe es getan. Ich habe mich dem Leben geschenkt. Egal, was die Nacht bringt.

 

Wieder kommt das Gefühl: Ich bin noch nicht soweit. Meine Experten-Positionierung steht noch nicht klar genug. Meine Nische ist nicht richtig definiert, mein USP noch nicht spitz genug. Doch wann bin ich wirklich fertig und bereit zum Erblühen? Tränen steigen auf, mein Herz schlägt, Panik breitet sich aus.

 

Ich stehe vor meiner Magnolie - gefühlt - mit dem Rücken zur Wand.

 

Meine Magnolie scheint es genau zu wissen. Die Knospen sind da, die Sonne scheint, die Temperatur steigt – es fühlt sich richtig an. Es wird geblüht. Egal, was die Nacht bringt. Sie trägt ihre Frühjahrsgarderobe. Sie zeigt und verschenkt ihre Schönheit und Pracht. Egal, ob das jemand braucht.

 

Ich sehe es. Ich fühle es. Ich genieße es. Ich nehme es.

 

 

In die Zeit geschrieben                                                               am 19. März 2020

 

Gerade bin ich wieder an meiner Magnolie verbeigegangen. Weiße bis zartrosa Blütenkelche, kleine und größere, präsentierten sich stolz in der Sonne und vor strahlendblauem Himmel. Mutig stand sie da nach einer wieder empfindlich kalten Nacht. Doch die kalten Nächte gehen gerade sehr sanft mit ihr um …

 

Aus meinem Herzen gesponnen und gewebt für die sich wandelnde Zeit

 

Isabella Maria Weiss*

Das Gewandt*Journal 001 - vom 18. März 2020
Gewandt_Journal 001_18032020.pdf
PDF-Dokument [164.7 KB]

AKTUELLES

AUF DEM LAUFSTEG

 

Der Blog

Das Gewandt*Journal

Tage*Buch einer sich wandelnden Zeit

Aktuell:

005 - Stoff*Wechsel

 

Workshop

Lebens*STOFFE - Lebens*KLEIDER

Neue Termine in Vorbereitung

KONTAKT

Isabella Maria Weiss

Poschingerstr. 10

81679 München

 

Telefon

089 / 81 30 18 25

0176 / 45 50 62 30

 

Email

mail@isabellamariaweiss.de

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Isabella Maria Weiss


Anrufen

E-Mail